Das Vergabesystem der Medizinstudienplätze

Die Vergabe der Studienplätze für medizinische Studiengänge in Deutschland wird seit Jahren durch drei Quoten bestimmt.

Die erste und wohl bekannteste Quote ist die Abiturbestenquote die sich nach dem berühmtberüchtigten Numerus Clausus richtet. Die zweite Quote ist die Wartezeitquote, die sich nach der Anzahl der Wartesemester richtet. Die dritte und letzte Quote ist das Auswahlverfahren der Hochschulen. Hier werden prozentual die meisten Studienplätze (60%) vergeben und man kann durch verschiedenste Kriterien Bonuspunkte sammeln und die Abiturnote verbessern.

Der Numerus Clausus

Der Numerus Clausus oder auch kurz NC wird jährlich neu berechnet und richtet sich jedes Jahr nach den Ergebnissen der im entsprechenden Jahr abgelegten Abiturprüfungen. Es gibt also keinen festen Numerus Clausus, sondern er ist vielmehr in jedem Jahr und in jedem Bundesland verschieden.

Der NC ist ein entscheidender Faktor für die Zulassung zu medizinischen Studiengängen über die Abiturbestenquote. Er zeigt an, welchen Notendurchschnitt man mindestens erreicht haben muss, um im jeweiligen Semester einen Studienplatz über diese Quote zu erhalten.

Er wird in jedem Jahr und für jedes Bundesland einzeln aus der Anzahl der Bewerber, der erreichten Abiturdurchschnittsnoten und den verfügbaren Studienplätzen errechnet.

Die Abiturbestenquote (20 Prozent)

Über die Abiturbestenquote werden jährlich 20% der Studienplätze für medizinische Studiengänge von der Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) vergeben. Die Vergabe ist abhängig vom oben beschriebenen Numerus Clausus bzw. Landes-NC.

Folglich ist die erreichte Abiturnote für diese Quote das einzig relevante Kriterium

Im Wintersemester 2014/ 2015 mussten in den einzelnen Bundesländern mindestens folgende Notendurchschnitte erreicht werden um über die Abiturbestenquote zugelassen zu werden.

Bundesland Humanmedizin Zahnmedizin
Baden-Württemberg 1,0 1,2
Bayern 1,0 1,2
Berlin 1,0 1,3
Brandenburg 1,0 1,0
Bremen 1,0 1,2
Hamburg 1,1 1,3
Hessen 1,0 1,2
Mecklenburg-Vorpommern 1,0 1,1
Niedersachsen 1,1 1,3
Nordrhein-Westfalen 1,0 1,2
Rheinland-Pfalz 1,0 1,3
Saarland 1,0 1,1
Sachsen 1,0 1,2
Sachsen Anhalt 1,0 1,2
Schleswig-Holstein 1,2 1,4
Thüringen 1,0 1,2

Die Wartezeitquote (20 Prozent)

Ebenfalls 20% der Studienplätze werden über die Anzahl der Wartesemester vergeben.

Für das Wintersemester 2014/2015 konnten Bewerber mit 13 oder mehr Wartesemestern zugelassen werden. Bewerber mit 12 Wartesemestern konnten bis zu einer Abiturnote von 1,9 für Humanmedizin einen Studienplatz erhalten.

Für Zahnmedizin mussten Bewerber im Wintersemester 2014/2015 ebenfalls mindestens 12 Wartesemester aufweisen können, allerdings bei einem Abiturdurchschnitt von mindestens 3,2. Bewerber mit einem schlechteren Abiturdurchschnitt benötigten ebenfalls 13 Wartesemester um zugelassen zu werden.

Studiengang Wartezeit (Semester) Durchschnittsnote
Humanmedizin 12 1,9
Zahnmedizin 12 3,2

Das Hochschulauswahlverfahren (60 Prozent)

Die verbleibenden 60 Prozent der Studienplätze können von den Universitäten nach eigenständig festgelegten Kriterien vergeben werden. Zusätzlich zur erreichten Abiturnote können Bonuspunkte gesammelt werden um die Abiturnote aufzuwerten und die Chancen zu erhöhen einen Studienplatz zu erhalten.

Je nach Universität variieren diese zusätzlichen Kriterien zwischen:

•       Medizinertest (TMS)
•       Berufspraxis (z.B. Ausbildung als Rettungssanitäter oder Krankenschwester)
•       Stärker gewichtete Einzelfachnoten (z.B. Englisch oder Naturwissenschaften)
•       Auswahlgespräch
•       Ortspräferenz